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Hotelgeschichte
Bevor in Benidorm die Hochhäuser kamen, kamen die Hotels. Ihre Geschichte reicht von einer Herberge für Postkutschenreisende über Familienhotels mit eigenen Seefahrer-Legenden bis zum 186 Meter hohen Hotelturm.
Hotels, die Benidorm geprägt haben
1865 bis 1920
Postkutsche, Seebad und Sommerzimmer
- Hostal La Mayora
- 1865
- Seebad
- 1870 oder später
Die ersten Gäste schliefen in Herbergen. 1865 entstand das Hostal La Mayora am Passeig de la Carretera, Ecke Calle La Palma, an der Haltestelle der Postkutsche, wo frische Pferde vorgespannt wurden. Am Anfang der Playa de Levante betrieb Francisco Ronda y Galindo ein Seebad, laut Prospekt die „Baños de Mar de la Virgen del Sufragio“, mit getrennten Abteilungen für Männer und Frauen.
Wann es öffnete, ist strittig: Der Lokalhistoriker Juan Díaz nennt 1870, der undatierte Werbeprospekt wird auf um 1880 oder auf 1893 datiert. Weil es kaum Gästebetten gab, vermieteten viele Familien im Sommer ihre Häuser. Im Juni 1920 belegte eine deutsche Ausflugsgruppe auf einen Schlag alle Betten des Ortes, auch die im La Mayora.
Quellen: Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2018 · Astrolabio (J. Díaz Ortuño), 2013
1926 bis 1931
Ein Steward baut das erste Hotel
- Gründer
- Pedro Cortés Barceló
- Eröffnung
- 1926, 1929 oder 1931
- Zimmer
- rund 40
Pedro Cortés Barceló fuhr rund 20 Jahre als Steward für die Reederei Navieras Bilbaínas. Mit seinen Ersparnissen und mit Hilfe seiner Frau Angelina baute er in erster Reihe an der Playa de Levante ein Hotel und benannte es nach seinem Arbeitgeber: Hotel Bilbaíno. Es gilt als das erste Hotel Benidorms. Bis heute kommen viele Stammgäste aus dem Baskenland, manche Familien in der vierten Generation.
Das Gründungsjahr ist umstritten. Das Hotel selbst und die Lokalzeitung Calvari nennen 1926, die Zeitung Información 1929, der Hotelkatalog des Stadtarchivs 1931. Anfang der 1960er war das Bilbaíno nur von Juli bis September geöffnet. Es ist bis heute in Betrieb, mit rund 40 Zimmern.
Quellen: Calvari, 2022 · Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2016 · Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005
1934
Ein Funker gibt den Namen
- Bauherr
- Miguel Barceló Martínez
- Etagen
- 2, ab 1949 3
Auch das Hotel Marconi baute ein Seemann. Miguel Barceló Martínez war Funker bei der Compañía Transatlántica gewesen und benannte sein Haus nach den Marconi-Funkgeräten, mit denen damals die großen Schiffe ausgerüstet waren. Es entstand 1934 an der Playa de Poniente, am anderen Ende des Ortes, mit zwei Etagen und nur wenigen Zimmern.
1949 wurde es umgebaut und bekam eine dritte Etage. Laut Histobenidorm war das Marconi das dritte Hotel Benidorms; der Hotelkatalog des Stadtarchivs führt zwischen Bilbaíno und Marconi noch das Hotel Levante (1933). Vom Marconi aus war der Weg ins Dorf weit, und an den Strand kam man schwerer als in Levante.
Quellen: Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2016 · Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005
1952 bis 1958
Sieben Hotels und vier Pensionen
- Um 1952 (laut Histobenidorm)
- 7 Hotels, 4 Pensionen
- Größtes Hotel um 1960
- Avenida, 122 Zimmer
Um 1952 wollte die Gemeinde laut dem Lokalblog Histobenidorm wissen, wer auch im Winter öffnen würde. Gefragt wurden demnach sieben Hotels und vier Pensionen; unter den Hotels waren Villa Marconi, Miramar, Planesia, Bilbaíno, L'Illa, La Mayora und Costablanca. Danach kamen fast jedes Jahr neue Häuser dazu, laut dem Hotelkatalog des Stadtarchivs etwa Avenida 1954, Les Dunes 1955, Europa 1956, Áncora und Brisa 1957.
Der Katalog datiert Costablanca und L'Illa auf 1953 und weist selbst darauf hin, dass Archivdaten auch Lizenzjahre sein können. Größtes Haus war um 1960 das Hotel Avenida von Francisco Climent Pallarés mit 122 Zimmern. Das Hotel Europa im Rincón de Loix gehörte laut seinem Prospekt einer deutschen Firma.
Quellen: Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2023 · Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005
1952 bis 1961
Vom Chalet zum Hotel auf dem Felsen
- Planesia II
- eröffnet 9. Juli 1960
- Zimmer
- 39
- Heute
- Villa Venecia
Um 1918–1920 ließ sich Miguel Payá Pérez auf dem Canfali-Felsen ein dreistöckiges Chalet bauen. Ab Februar 1952 war es als Gästehaus angemeldet, betrieben von Vicente Alemany Martínez unter dem Namen Planesia. 1958 entstanden Umbaupläne für den Eigentümer Manuel Fuster.
Alemany baute an der Plaça de Sant Jaume ein zweites Planesia, entworfen von Vicente Vives Llorca: 39 Zimmer, veranschlagt mit 2,1 Millionen Peseten. Es öffnete am 9. Juli 1960, drei Tage bevor die Genehmigung vorlag; die Stadt verlangte dafür doppelte Gebühren. Ein späterer Prospekt verglich den Blick aus dem Speisesaal, der über den Klippen hing, mit einer Fahrt auf einem Schiff. Das alte Haus hieß ab 1961 Canfali, das neue heißt heute Villa Venecia.
Quellen: Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2022 · Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005
1955 bis 1965
Les Dunes und ein Werbespruch
- Zimmer um 1961
- 61
- Slogan
- 1965
Das Hotel Les Dunes an der Playa de Levante stammt laut dem Hotelkatalog des Stadtarchivs von 1955, schon 1956 gab es Pläne für eine Erweiterung. Um 1961 hatte es 61 Zimmer und gehörte zur ersten Kategorie A, ein späterer Prospekt nennt 110 Zimmer, einen Pool und zwei Bars. Es war eines der zwölf Hotels, die 1961/62 das ganze Jahr geöffnet hatten.
1965 wurde im Les Dunes der neue Werbespruch der Stadt vorgestellt: „El sol pasa el invierno en Benidorm y la brisa el verano“, die Sonne verbringt den Winter in Benidorm und die Brise den Sommer. Er tauchte danach auch in Hotelprospekten auf. Mit der Costa del Sol, die einen sehr ähnlichen Spruch nutzte, gab es sofort Reibereien.
Quellen: Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005
1950er/60er
Pool, Aufzug, Klimaanlage
- Erster Hotelpool
- Hotel Victoria
- Aufzug laut Prospekt
- Áncora, Agir, Montesol
Die ersten Hotels arbeiteten ohne öffentliches Wasser- und Kanalnetz, Wäsche wurde von Hand gewaschen, gekocht auf Holz- oder Kohleherden. Entsprechend warben die Prospekte der 1960er mit jedem Fortschritt: das Áncora mit Aufzug und Fernsehsalon, Agir und Montesol mit Aufzug, Costablanca und Glasor mit Klimaanlage. Das Glasor hatte einen Süßwasserpool nur für Hotelgäste.
Den ersten Hotelpool besaß das Hotel Victoria, angelegt in einem früheren Bewässerungsbecken. Telefone aus Bakelit und hoch an der Wand hängende Spülkästen galten als neuester Komfort. Manche Hotels ließen ihr Logo auf Geschirr und Besteck setzen, nach dem Vorbild der Passagierschiffe, auf denen viele Benidormer gefahren waren.
Quellen: Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005 · Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2013
bis 1968/69
Primera A statt Sterne
- Kategorien bis 1968/69
- Lujo, 1ª A, 1ª B, 2ª, 3ª
- 1962
- 32 Hotels, 20 Pensionen
Bis Ende der 1960er bekamen spanische Hotels keine Sterne, sondern Kategorien: Lujo, Primera A, Primera B, Segunda und Tercera, dazu eigene Klassen für Pensionen. Zusätze wie „Gran“, „Real“ oder „Imperial“ durften nur Luxushotels tragen. In Benidorm erfüllte das um 1965 nur ein Haus, das Gran Hotel Delfín.
Eine undatierte Hoteltabelle, wohl von 1961, listet 22 Häuser mit zusammen rund 800 Zimmern. 1962 zählte Vicente Sarrión in seiner Abschlussarbeit an der Universität Murcia 32 Hotels und 20 Pensionen mit 2.710 Betten. Eine Verordnung vom Juli 1968 führte die Sterne ein; laut Hotelkatalog wurden die Häuser 1969 umgestuft, das Delfín bekam fünf.
Gran Delfín →
Quellen: Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005 · Astrolabio (J. Díaz Ortuño), 2012 · Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2015
1963 bis 2025
Gran Hotel Delfín: das einzige Luxushotel
- Eröffnung
- 20. Juli 1963
- Architekt
- José María Garma Zubizarreta
- Abriss
- ab März 2025
Ende 1957 kaufte der Freskenmaler Felipe Pastor mit Partnern 11.635 Quadratmeter am Westende von Poniente. Ein erstes Projekt mit rund 150 Doppelzimmern wurde 1958 genehmigt, aber nie gebaut. Gebaut wurde ein flacher Bau mit drei Obergeschossen und einem Pool in olympischen Maßen, entworfen von José María Garma Zubizarreta. Am 20. Juli 1963 eröffnete das Hotel; der Hotelkatalog des Stadtarchivs nennt abweichend 1960–61.
Um 1965 warb das Delfín mit 150 Luxuszimmern, Klimaanlage, Damenfriseur, Tennisplatz und zwei Restaurants; unter derselben Leitung stand das Hotel Carlton in Madrid. Im März 2025 begann der Abriss. An seiner Stelle entsteht der Gran Delfín, auf den früheren Tennisplätzen steht schon der Delfín Tower.
Gran Delfín →Delfín Tower →
Quellen: Histobenidorm (F. Amillo Alegre), 2015 · Juan-José Chiner Vives (Hg.), Los hoteles del paraíso 1954–1964, 2005 · Alicante Plaza, 2025
1970 bis 1973
Die Hotel-Fabriken
- Hotel Presidente
- 470 Plätze
- Hotel Diplomatic
- 350 Plätze
Mit den großen Charterjets am Flughafen El Altet begann 1970 eine neue Größenordnung. In kurzer Zeit entstanden Hotels mit Hunderten Betten, damals „Hotel-Fabriken“ genannt. Als typisches Beispiel zeigt der Architekt Juan-José Chiner Vives das Hotel Pueblo, ein Hochhaus mit niedrigen Nebengebäuden. Anzeigen warben 1970/71 für das Presidente an der Avenida de Filipinas mit 470 und das Diplomatic mit 350 Plätzen.
Im Freizeitpark Manila Park an der Playa de Levante hatte 1959 das erste Schlagerfestival stattgefunden. 1971 standen dort nur noch Ruinen und Palmen, danach wurde auf dem Gelände das Hotel Cimbel gebaut.
Quellen: Juan-José Chiner Vives, Benidorm. Los orígenes de la ciudad vertical, 2006 · Mª Nieves Higueras López, Benidorm, estudio de su modelo urbanístico (Proyecto Fin de Grado), 2012
1972
Don Pancho: Meerblick für alle
- Eröffnung
- 13. Mai 1972
- Zimmer
- 256
- Architekt
- Juan Antonio García Solera
1969 begannen die fünf Brüder Torrubia mit der Planung; Manuel Torrubia arbeitete im Tourismus mit internationalen Reiseveranstaltern. Jeder Gast sollte aufs Meer blicken. Entworfen hat das Hotel an der Avenida del Mediterráneo der Alicantiner Architekt Juan Antonio García Solera, der schon in den 1950er-Jahren in Benidorm gebaut hatte.
Am 13. Mai 1972 eröffnete das Don Pancho mit 256 Zimmern, als eines der ersten Vier-Sterne-Hotels der Stadt. Zu Gast waren unter anderem Julio Iglesias, Rocío Jurado, Raphael, Camilo Sesto und Celia Cruz. 2021 verlieh die Architektenkammer Alicante dem Haus die Docomomo-Plakette für Bauten der Moderne. Es gehört bis heute den Nachfahren der Gründer.
Quellen: El Español, 2022 · Alicante Plaza, 2021 · Juan-José Chiner Vives, Benidorm. Los orígenes de la ciudad vertical, 2006
1988 bis 2002
Gran Hotel Bali: 14 Jahre bis zur Eröffnung
- Höhe
- 186 m
- Eröffnung
- 17. Mai 2002
Neben dem älteren, 19-stöckigen Hotel Bali begann der Bauunternehmer Joaquín Luis Pérez Crespo 1988 einen Turm am Westende von Poniente; das CTBUH nennt als Baubeginn 1987. Weil er ohne Bankkredit baute, zog sich der Bau 14 Jahre hin. Am 17. Mai 2002 eröffnete das Gran Hotel Bali, 186 Meter hoch und bis 2007/08 das höchste Gebäude Spaniens.
Gran Hotel Bali →
Quellen: Wikipedia EN – Gran Hotel Bali · Alicante Plaza, Nachruf 2026 · El Debate, 2026
1989 bis 2002
Hoteltürme zur Jahrtausendwende
- Flamingo
- 1989, 83 m
- Flamingo Oasis
- 2000, 95 m
- Meliá Benidorm
- 526 Zimmer
Nach den Hotel-Fabriken der 1970er kam um die Jahrtausendwende eine neue Welle von Hoteltürmen. Schon 1989 entstand laut einer Hochhausdatenbank das Aparthotel Flamingo, 83 Meter hoch. Im Jahr 2000 folgten das RH Victoria der Benidormer Familienkette RH an der Vía Emilio Ortuño und das laut Hochhausliste 95 Meter hohe Flamingo Oasis der Kette MedPlaya im oberen Rincón de Loix.
Um 2001/02 kam das Meliá Benidorm an der Avenida Severo Ochoa hinzu: zwei Türme des Architekten Carlos Gilardi aus Altea, verbunden durch eine Halle mit Innengarten, zusammen 526 Zimmer. Ob das RH Victoria auf das alte Hotel Victoria mit dem ersten Pool der Stadt zurückgeht, ist nicht belegt.
Hotel RH Victoria →Hotel Flamingo Oasis →Hotel Meliá Benidorm →
Quellen: Wikipedia (ES, Spiegel) – Höchste Gebäude Benidorms · Meliá – Meliá Benidorm · RH Hoteles – RH Victoria & Spa
2014 bis 2026
Neue Namen, neue Türme
- Sandos Benidorm Suites
- seit 2017
- Port Benidorm
- 410 Zimmer seit 2026
Viele Häuser haben inzwischen Namen und Gesicht gewechselt. Aus dem Flamingo wurde 2014 das Marconfort Benidorm Suites, ein Themenhotel mit 200 Suiten rund um die Musik der 70er bis 90er; seit November 2017 heißt es Sandos Benidorm Suites. Das Hotel Los Dálmatas, gebaut vom Delfín-Gründer Felipe Pastor, eröffnete 2016 nach einem Umbau für 13 Millionen Euro als Port Benidorm.
Im Mai 2026 kam dort ein 26-stöckiger Neubau dazu, der Sky Tower; das Hotel hat seither 410 Zimmer, der Altbau heißt nun Blue Tower. Am Westende von Poniente entsteht seit dem Abriss des Gran Hotel Delfín der Gran Delfín, mit Wohnungen und wieder mit einem Hotel.
Sandos Benidorm Suites →Hotel Port Benidorm →Gran Delfín →
Quellen: Hosteltur, 2013 · Hosteltur, 2016 · Alicante Plaza, 2026